Hausgottesdienst am Sonntag Lätare, 22. März 2020
St. Johannis-Gemeinde Köln-Bonn-Aachen
Bevor es los geht
Wir suchen in der Wohnung einen ruhigen, bequemen Ort.
Wir zünden eine Kerze an.
Wir werden still.
Persönliches Gebet:
Gott, ich suche Halt und Hilfe bei Dir. Gib mir ein Wort, das mich trifft, und mach mich offen für Dich. Schenke mir Deinen Heiligen Geist. Amen.
Einleitung zum Sonntag
„Lätare“ – Freut euch – heißt dieser Sonntag. Wie unpassend, mag man denken.
Denn die Coronazeiten bieten so wenig Grund zur Freude. Die Lage ist ernst, nicht
fröhlich.
In dieser Lage hören wir auf Gott. Worte des Trostes. Worte der Nähe. Worte, die
Freude schenken können, auch im Leid.
Wir feiern + im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Lied Jesu, meine Freude (ELKG 293 / EG 396)
1. Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier:
ach, wie lang, ach lange ist dem Herzen bange und verlangt nach Dir!
Gottes Lamm, mein Bräutigam, außer Dir soll mir auf Erden nichts sonst Liebers
werden.
2. Unter Deinem Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei.
Lass den Satan wettern, lass die Welt erzittern, mir steht Jesus bei.
Ob es jetzt gleich kracht und blitzt, ob gleich Sünd und Hölle schrecken,
Jesus will mich decken.
3. Trotz dem alten Drachen, Trotz dem Todesrachen, Trotz der Furcht dazu!
Tobe, Welt, und springe; ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh.
Gottes Macht hält mich in acht, Erd und Abgrund muss verstummen,
ob sie noch so brummen.
6. Weicht, ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein.
Denen, die Gott lieben, muss auch ihr Betrüben lauter Freude sein.
Duld ich schon hier Spott und Hohn, dennoch bleibst du auch im Leide,
Jesu, meine Freude.
Rüstgebet:
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Jesus Christus lädt uns ein:
„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid: Ich will euch erquicken.“
Wir kommen nun zu ihm mit dem was uns belastet und beschwert, mit unseren
Sorgen und Nöten, mit unserer Sünde und Schuld.
Wir sind Teil dieser gefallen Welt voll Krankheit, Angst und Sünde. Wir sind mit ihr
verwoben in Gedanken, Worten und Werken. Darum bitten wir Gott um Vergebung:
Allmächtiger Gott! Erbarme Dich unser. Vergib uns unsere Sünde und führe uns zum
ewigen Leben. Schenke uns jetzt ein offenes Herz für Dich. Amen
Psalmgebet (Introitus – ELKG 027)
Freuet euch mit dem Volke Gottes
und seid fröhlich alle, die ihr es lieb habt;
denn ihr sollt satt werden von den Brunnen seines Trostes
und euch erfreuen an der Fülle seiner Herrlichkeit. (nach Jesaja 66,10.11)
Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten
und von Herzen dir nachwandeln!
Wenn sie durchs dürre Tal ziehen,
wird es ihnen zum Quellgrund.
Sie gehen von einer Kraft zur andern und schauen den wahren Gott in Zion.
Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild;
Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. (Psalm 84,6.7a.8.12)
Ehre sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist,
wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
Gebet des Tages:
Allmächtiger, ewiger Gott. Du gibst Halt in unserem Leben. Du schenkst Zuversicht in unserm Zweifeln. Du kommst uns nahe in unserer Traurigkeit. Stecke uns an mit Deiner Freude, die uns begegnet in Jesus Christus, unserm Bruder und Herrn. Ihm sei alle Ehre in Zeit und Ewigkeit. Amen.
Lesung aus den Apostelbriefen des Neuen Testaments (Epistel):
Die Epistel steht im 2. Brief des Paulus an die Korinther im 1. Kapitel.
3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, 4 der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir
auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott. 5 Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. 6 Werden wir aber bedrängt, so geschieht es euch zu Trost und Heil; werden wir getröstet, so geschieht es
euch zum Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden. 7 Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen:
Wie ihr an den Leiden teilhabt, so habt ihr auch am Trost teil. (2. Korinther 1,3-7)
Lied Jesu Kreuz, Leiden und Pein (ELKG 58 / EG 78)
1. Jesu Kreuz, Leiden und Pein, / deins Heilands und Herren,
betracht, christliche Gemein, / ihm zu Lob und Ehren.
Merk, was er gelitten hat, / bis er ist gestorben,
dich von deiner Missetat / erlöst, Gnad erworben.
2. Jesus, wahrer Gottessohn / auf Erden erschienen,
fing bald in der Jugend an, / als ein Knecht zu dienen;
äußert sich der göttlich G’walt (Phil. 2,7) / und verbarg ihr Wesen,
lebt in menschlicher Gestalt; / daher wir genesen.
3. Jesus richtet aus sein Amt / an den Menschenkindern,
eh er ward zum Tod verdammt / für uns arme Sünder,
lehrt und rüst’ die Jünger sein, / wusch ihn’ ihre Füße,
setzt das heilig Nachtmahl ein, / macht ihn’ das Kreuz süße.
7. Jesus, verurteilt zum Tod, / musst sein Kreuz selbst tragen
in großer Ohnmacht und Not, / ward daran geschlagen;
hing mehr denn drei ganze Stund’ / in groß Pein und Schmerzen;
bittre Galle schmeckt sein Mund. / O Mensch, nimm’s zu Herzen!
Lesung aus den Evangelien:
Das Evangelium zum Sonntag Lätare lesen wir bei Johannes im 12. Kapitel:
20 Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. 21 Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war,
und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. 22 Philippus kommt und
sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen's Jesus. 23 Jesus aber antwortete
ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht
werde. 24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. 25 Wer sein Leben lieb hat, der verliert es; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der
wird's bewahren zum ewigen Leben. 26 Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. (Johannes 12,20-26)
Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen.
Lied Korn das in die Erde, in den Tod versinkt (CoSi 317 / EG 98)
1. Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt -
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.
2. Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.
3. Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn -
hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.
Predigt
Jesaja 66,10-14a:
Gott spricht: 10 Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. 11 Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. 12 Denn so spricht der Herr: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. 13 Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt
an Jerusalem getröstet werden. 14 Ihr werdet's sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras.
Liebe Gemeinde, eine „Explosion der Lebensfreude“ werde es nach der Corona-Krise geben, meinte vor ein paar Tagen der italienische Soziologe Franco Ferrarotti. Im Gespräch mit der „Tagesschau“ machte er Hoffnung: „Ich glaube, wenn die Krise vorbei ist, werden wir eine enorme Wiederkehr von Lebensfreude und Lust am Wiederaufbau erleben.“ Er vergleicht die Situation mit dem Ende eines Krieges, nach dem es „in ganz Europa eine unglaubliche Explosion an Lebensfreude“ geben werde.
Jesajas Zeitgenossen erlebten zwar keine Corona-Pandemie, aber sie waren nicht weniger trostbedürftig als wir jetzt. Sie hatten ihre Heimat verloren und lebten nun schon in der dritten Generation in der Fremde in Babylon. Israel hat damals immer wieder seinem Gott in den Ohren gelegen: „Gott, … tröste uns wieder.“ Daraufhin ist ein ganzes Trost-Buch entstanden. Es umfasst die Kapitel 40-66 des Jesaja-Buches und beginnt mit den Worten: „Tröstet, tröstet mein Volk!“ Und am Schluss, im 66. Kapitel, drückt Gott all den darin gesammelten
Trost-Worten sein Siegel auf und verspricht: „Ich will ich trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“
Aktuellen Umfragen zufolge ist in Deutschland zur Zeit jeder Zweite in Sorge, dass er oder
ein naher Angehöriger sich mit dem neuen Virus infiziert. Wie selbstverständlich empfundene Freiheiten sind massiv eingeschränkt worden. Teilweise wurden bereits Ausgangssperren verhängt. Alle sozialen Kontakte sollen so weit wie möglich vermieden werden. Noch vor 10 Tagen war es unvorstellbar, dass in unserem Land überall öffentliche Gottesdienste verboten werden würden. Selbst auf dem letzten Weg eines Menschen wird die Teilnehmerzahl ganz stark begrenzt. Neben der Infektion, die für jeden Fünften auch schwerwiegend werden kann bis hin zum Tod, droht die soziale Isolation und Vereinsamung.
Diese Krise führt uns vor Augen, dass wir auch als erwachsene Menschen in einem wohlhabenden und gut organisierten Land nicht einfach alles im Griff haben. Mochte vorher mancher denken, dass nur Kinder trostbedürftig sind, so wird uns jetzt bewusst, dass auch wir Erwachsene immer wieder Trost brauchen. Darum spielt das Thema „Trost und trösten“
auch in der Bibel eine wichtige Rolle. Vor allem in den Psalmen, aber auch beim Propheten Jesaja kommt das zum Ausdruck. Der einzelne Beter hält Ausschau nach Trost. Er ringt förmlich darum: „Siehe, um Trost war mir sehr bange. – Wessen soll ich mich trösten?“ Da
gibt es Unsicherheiten, Ängste, körperliche und seelische Schmerzen, den Verlust dessen, was das Leben bisher ausgemacht hat – der Freiheit, der Heimat, der Arbeit und des Einkommens, der Gesundheit, des geliebten Menschen. So klagt der Beter seine Not und bittet Gott um Hilfe: „Tröste mich wieder mit Deiner Hilfe.“ Und der hört und lässt sich ein und
verspricht: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“
Es ist ein wunderbares Bild, das der Prophet hier malt: Ein Säugling in den Armen seiner Mutter, gestillt und satt, warm und zufrieden, gehalten und geliebt und wohl geborgen. So kann das Leben sein. Und wie schön, wenn es so ist. Jesaja verspricht seinen Hörerinnen und Hörern, dass es wieder so sein wird, dass Gott genau so mit ihnen umgehen wird und sie in Jerusalem neuen Trost finden werden.
Die Realität freilich sieht ganz anders aus: Jerusalem ist im Ausnahmezustand. Im Tempel finden keine Gottesdienste statt. Das öffentliche Leben liegt lahm, die Märkte sind menschenleer. Stadt und Tempel sind zerstört, alles liegt am Boden und es gibt keine Perspektive.
Nun mehren sich zwar die Anzeichen, dass Gott einen neuen Anfang mit seinem Volk wagt.
Aber kaum etwas ist davon zu sehen. Eine erste Gruppe von Menschen – Rückkehrer aus dem Exil in Babylon – bauen zwar die Stadt auf. Aber die Realität ist doch bestimmt vom
Zusammenbruch des gesellschaftlichen Lebens. Die Menschen sind verunsichert. Angst
bestimmt ihren Alltag.
Eine Situation, die wir in diesen Coronazeiten nachvollziehen können. „Die Lage ist ernst“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Ansprache am Mittwoch. „Nehmen Sie sie auch ernst.“ Ärzte und Pflegepersonal rufen auf: „Wir bleiben für euch da! Bleibt ihr bitte für uns daheim!“ Ein neuer Begriff macht die Runde: social distance. Wir sollen Abstand voneinander halten. Das ist kein Aufruf zum rücksichtslosen Egoismus, ganz im Gegenteil! Es geht darum, füreinander da zu sein und zusammenzustehen ohne körperliche Nähe. Nächstenliebe zeigt sich zur Zeit nicht in körperlicher Zuwendung, sondern im Abstandhalten bei unvermeidlichen Begegnungen und vor allem in der weitgehenden Vermeidung solcher Situationen, im Zuhause-Bleiben – aber eben auch im Kontakt-Halten per Telefon und über die sozialen Medien, über Einkäufe für gefährdete Personen, über Rücksichtnahme auch
bei der eigenen Vorratshaltung und nicht zuletzt über ein offenes Ohr und Herz, ein freundliches Lächeln (merkt man auch am Telefon!) und ein gutes Wort.
Echtes Trösten braucht Anteilnahme, Einfühlungsvermögen und Sympathie. Es braucht Zeit und – wenigstens innere – Nähe. Uns selber können wir solchen Trost nicht vermitteln. „Das Wort, das dir hilft, kannst du dir nicht selber sagen“, sagt ein Sprichwort. Wir brauchen den Zuspruch von außen, der uns aufrichtet und neuen Mut macht. So lässt Gott den Israeliten damals durch seinen Propheten ausrichten: „Die Krise geht vorüber. Ihr werdet satt werden.
Die Sorge hat ein Ende. Freude wird sich breitmachen. Alles wird gut werden!“
Für die Menschen damals war das zunächst einmal nur eine Hoffnung. Zu sehen war davon
noch nichts. Und vielleicht ergriff der Prophet gerade deswegen das Wort, weil einige schon
unruhig wurden und ihrem Ärger darüber Ausdruck verliehen, dass alles so trostlos war und
blieb. Es dauerte etwas, aber am Ende kam es tatsächlich so, wie es der Prophet angekündigt hatte: Die Stadt füllte sich mit Leben. Im Tempel wurden wieder Gottesdienste gefeiert.
Jerusalem wurde aufgebaut. Wie bei uns nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es eine „Explosion der Lebensfreude“. Es gab einen Neuanfang. Vieles wurde gut. Und ganz sicher war es so, dass schon ein paar Jahre später viel mehr Menschen fröhlich und getröstet durch die Gassen liefen als in dem Moment, in dem der Prophet das Wort ergriff.
Und bei uns? Keiner von uns weiß heute, wie lange sich dieser Ausnahmezustand noch hinzieht  und wie wir aus dieser Krise herauskommen werden. Der wirtschaftliche Schaden wird beträchtlich sein, die Arbeitslosigkeit steigen. Nicht alle werden die Krise überstehen – gesundheitlich und finanziell.
Auf der anderen Seite erfahren wir gerade heute, dass Manches, was wir bisher für unverzichtbar gehalten haben, gar nicht so wichtig ist. Und wir entdecken neu, was wirklich zählt:
atmen und leben können, füreinander dasein und zusammenstehen, sich umeinander kümmern und Geduld und Gelassenheit, Hoffnung und Zuversicht haben können. Dabei merken
wir zugleich, wie schwer das gerade jetzt ist, jemanden nahe zu sein, ohne ihn oder sie in den Arm nehmen zu können. Denn Nähe schenkt Trost.
So hören wir heute – wie die Menschen damals – von der Nähe Gottes zu uns: Er streckt seine Hand nach uns aus, um uns zu helfen. Er tröstet uns, wie eine Mutter ihr Kind tröstet. Er schenkt uns seine Liebe inmitten aller Unsicherheit. Er gibt uns Frieden.
Doch sein Trösten geschieht nicht dadurch, dass er wie unser Wirtschafts- und unser Finanzminister die „Bazooka“ auspackt. Mit dieser finanziellen Superwaffe wollen sie ja alle Folgen der Corona-Krise medienwirksam niederhalten. Er macht dieser Pandemie auch nicht blitzartig ein Ende und beseitigt einfach alle unsere Probleme. In Jesus Christus nimmt er sich vielmehr ein ganzes Menschenleben lang Zeit, um Anteil zu nehmen an unserem Ergehen und sich in unsere Situation hineinzufühlen. Der begibt sich nicht in Quarantäne, um nicht angesteckt zu werden von dem, was unser Leben kaputtmacht. An anderer Stelle
sagt Jesaja von ihm: „Er trug unsere Krankheit und nahm auf sich unsre Schmerzen“ (53,4).
Wie eine Mutter alles tut, um ihr Kind vor Gefahren oder in Notlagen zu retten, so hat Gott alles getan, um uns zu retten. Sein Trösten ist nicht nur gutes Zureden, sondern tatkräftige Hilfe. Dabei hat er nicht mit seiner starken Hand auf den Tisch, sondern breitet am Kreuz seine Hände am Kreuz aus, um uns Leben zu schenken und uns eine Perspektive zu geben, die uns über die Not und die Hoffnungslosigkeit unserer Zeit hinweg hoffen lässt.
Erfahren können wir diesen Trost in diesen Zeit besonders im Gebet, wenn wir ihm unser Herz ausschütten und ihn um sein Eingreifen bitten können. Wir können ihn erfahren im Hören und Lesen seines Wortes, in dem er uns immer wieder die Zusage seiner Nähe und Liebe macht.
Solcher Trost Trost kann dazu beitragen, dass Menschen wieder zuversichtlich, geduldig, selbstbewusst, vertrauensvoll, mutig, tolerant, stark und liebevoll werden – und das dann auch weitergeben können. Die Aussicht auf einen guten Ausgang und die Vergewisserung,
dass wir uns nicht zu fürchten brauchen, lässt uns die Angst überwinden und wieder neuen Mut fassen.
Als Christen, die wir durch diese Passionszeit hindurch auf dem Weg sind nach Ostern, können wir mit größter Gewissheit sagen: Es wird in jedem Falls ein „Leben nach Corona“ geben – selbst wenn jemand von uns dieser Krankheit erliegen sollte. Und es wird dann erst recht und noch viel mehr, als sich Franco Ferrarotti das vorstellen kann, eine „Explosion der Lebensfreude“ geben. Amen. © Gerhard Triebe, Pfr.

Lied In dem Herren freuet euch (ELKG 526 / EG 359)
1. In dem Herren freuet euch, / freut euch allewege.
Der am Kreuz den Sieg errang, / der ins Reich der Himmel drang,
ist nah auf eurem Stege.
2. Mag der Feind mit Finsternis / euren Schritt umhüllen,
seid nur um den Herrn geschart, / dessen Heil und Gegenwart
all Stund euch kann erfüllen.
3. Kündet eure Lindigkeit / allen Augen, Ohren.
Keiner bannt den Sieger mehr, / Christus mit dem lichten Heer
erscheint schon vor den Toren.
4. Werft das stolze Sorgen fort, / bittet Gott mit Danken.
Sieh, es leuchtet seine Gnad / über eurem schmalen Pfad,
führt euch durch alle Schranken.
5. Friede höher als Vernunft, / Licht von höchster Zinne,
wird dir heut und jeder Frist / hüten ganz in Jesus Christ
das Herz und alle Sinne.
6. O so freu dich in dem Herrn, / Kirche, allezeiten.
Musst du dulden Kreuz und Not, / Gottes Sohn hebt aus dem Tod
sein Volk in Ewigkeiten.
Fürbittgebet
Jesu, meine Freude.
Wir singen es.
Allein und mit schwacher Stimme -
und sind nicht allein.
Wir singen es.
Getrennt von unseren Familien,
von unseren Freundinnen und Freunden,
von unseren Schwestern und Brüdern –
und sind nicht allein.
Herr, erbarme Dich.
Jesu, meine Freude.
Wir singen es bangen Herzens,
in Sorge um die Menschen, die ihre Arbeit verlieren,
die um ihr Einkommen und Auskommen ringen.
Wir singen es bangen Herzens,
in Sorge um die Kranken.
Wir singen es bangen Herzens,
in Trauer um geliebte Menschen.
Herr, erbarme Dich.
Jesu, meine Freude.
Wir singen es unter Deinen Schirmen.
Wir singen es und bitten um Schutz und Schirm für alle,
die pflegen, die forschen, die retten.
Wir singen es und bitten für die Politiker
um gute Entscheidungen und weisen Rat.
Wir singen es und bitten um Frieden
in unserem Land, bei unseren Nachbarn, in Syrien.
Herr, erbarme Dich.
Jesus, meine Freude.
Allein und in Dir verbunden singen wir.
Wir singen und loben Dich.
Wir singen und beten mit unseren Schwestern und Brüdern.
Wir singen und hoffen für alle, um die wir Sorge haben,
Dir vertrauen wir uns an, heute, morgen und jeden neuen Tag. Amen.
Vaterunser
Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille
geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib
uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in
Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die
Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Lied Lob Gott getrost mit Singen (ELKG 205 / EG 243)
1. Lob Gott getrost mit Singen, / frohlock, du christlich Schar!
Dir soll es nicht misslingen, / Gott hilft dir immerdar.
Ob du gleich hier musst tragen / viel Widerwärtigkeit,
sollst du doch nicht verzagen; / er hilft aus allem Leid.
2. Dich hat er sich erkoren, / durch sein Wort auferbaut,
bei seinem Eid geschworen, / dieweil du ihm vertraut,
dass er deiner will pflegen / in aller Angst und Not,
dein Feinde niederlegen, / die schmähen dich mit Spott.
3. Kann und mag auch verlassen / ein Mutter je ihr Kind
und also gar verstoßen, / dass es kein Gnad mehr find’t? (Jes 49,14-16)
Und ob sich’s möcht begeben, / dass sie so gar abfiel:
Gott schwört bei seinem Leben, / er dich nicht lassen will.
4. Darum lass dich nicht schrecken, / o du christgläub’ge Schar!
Gott wird dir Hilf erwecken / und dein selbst nehmen wahr.
Er wird seim Volk verkünden / sehr freudenreichen Trost,
wie sie von ihren Sünden / sollen werden erlöst.
Segen
Der Herr schütze uns vor allem Unheil, er bewahre unser Leben.
Er gebe auf uns acht, wenn wir aus dem Hause gehen
und wenn wir wieder heimkehren.
Jetzt und für immer stehe er uns bei! Amen. (nach Psalm 121,7-8)

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