Liebe Gemeindeglieder und Freunde der St. Johannis-Gemeinde,

 

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„Alles in Butter, Herr Luther?“ Ja! Die Reformation hat die Welt verĂ€ndert. Die Anliegen der Reformation betrafen viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens: Sie stĂ€rkten den Einfluss des aufstrebenden BĂŒrgertums; der Buchdruck eröffnete effektivere Verbreitungsmöglichkeiten von Ideen; die Entdeckung der „Neuen Welt“ Amerika hinterfragte das alte Weltbild - fĂŒr das die römische Kirche stand, zugleich wurde der neue Kontinent Fluchtpunkt fĂŒr viele in Europa verfolgte Protestanten. Die alte Gesellschafts-Hierarchie (Lehrstand - Wehrstand - NĂ€hrstand) wurde abgelöst durch die lutherische Ethik: Jeder, der seinen Platz in Verantwortung ausfĂŒllt, lebt im Gott wohlgefĂ€lligen Stand. Das eröffnete Möglichkeiten fĂŒr gesellschaftlichen Fortschritt. Auch das eigentliche, das geistliche Anliegen der Reformation setzte sich durch: Menschen öffneten sich fĂŒr das Evangelium von der rettenden Gnade - ohne die Vermittlung durch die kirchlichen Institutionen.

Insoweit hĂ€tten sich Luther und seine Freunde zufrieden zurĂŒcklehnen können: Die HammerschlĂ€ge an der Schlosskirche zu Wittenberg hatten eine Bewegung  in Gang gesetzt, die die Welt verĂ€nderte.

„Alles in Butter, Herr Luther?“ Das wĂ€re zu schön, um wahr zu sein. Denn mit der Reformation zerbrach die Einheit der lateinischen Kirche. Es ist zu einfach, aus dieser Not eine Tugend zu machen. Zwar hat die Reformation die TĂŒr zu neuen kirchlichen Formen aufgestoßen und Freiheiten eröffnet, doch die Einheit der Kirche ist nicht allein eine organisatorische, sondern eine geistliche GrĂ¶ĂŸe. Jesus selbst und seine Apostel mahnten: „Seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens“ (Epheser 4,3). Wenn wir heute die Freiheit in der Kirche als die Freiheit des Evangeliums schĂ€tzen, so sollte nicht ĂŒbersehen werden, dass Einheit oft als Beliebigkeit missverstanden wird. Schon Luther hat darĂŒber geklagt.

Von dem, was in der Reformation angestoßen wurde, sollte uns auch nach 500 Jahren eines wichtig sein: Die Erkenntnis, dass unser Leben ganz von Gottes Liebe abhĂ€ngig ist, dem wir so viel wert sind, dass er seinen Sohn fĂŒr uns opferte. Diese Dankbarkeit und den Glauben sollten wir uns bewahren. Dann ist „alles in Butter“.

Das wĂŒnschen Ihre Pfarrer Dr. Albrecht Adam und Johannes-Ulrich Schiller

 

Frontfoto: Mike Luthardt, Collage GemeindeTag Witten 2017, nach Idee von Hardy Ehlerding