Liebe Gemeindeglieder und Freunde der St. Johannis-Gemeinde,

Gern wäre ich ein Vogel. Sich in die Lüfte schwingen. Die Welt von oben sehen. Das wär’s. Es erinnert mich an das Kinderbuch „Nils Holgerssons Abenteuer mit den Wildgänsen“.

Gern wäre ich ein Vogel. Man würde die Probleme der Welt viel kleiner sehen. Die täglichen Sorgen würden unwesentlich. Der Horizont würde groß, und die Richtung, die man im Alltagskleinklein verlieren kann, liegt dann klar vor Augen. Es ist beeindruckend, wie Zugvögel die Distanzen von mehreren Tausend Kilometern zurücklegen, ohne sich zu verfliegen, ihren Weg finden von den Schären Schwedens bis zu den sumpfigen Ufern des Nils.

Uns Menschen würde es gut tun, hin und wieder die Vogelperspektive einzunehmen. Oft sind wir eingekeilt in unsere Alltagssorgen, sehen keinen Ausweg. Der Streit mit den Nächsten, die drohende Arbeitslosigkeit oder Insolvenz, die bevorstehende Operation, oder einfach der nicht enden wollende graue Alltag.

Die Vorgelperspektive ermöglicht uns, über die Dinge hinaus zu sehen. Nur, was sehen wir da? Zunächst erkennen wir, dass unser Leben mehr ist als „80 Jahre ackern und dann ab in den Kasten“. Wir erfahren, dass wir Geschöpfe Gottes sind, ihm bekannt und von ihm geliebt von Ewigkeit her. Das ändert unsere Perspektive. Der Frust des Alltäglichen ist begrenzt, unsere Pläne und Ziele relativieren sich, ebenso die Erfahrung nicht erreichter Ziele. Die Schau auf das Ganze des Lebens als einer Symphonie, von Gott komponiert, macht es lebens- und liebenswert, wie immer es mir gerade gehen mag. Und das Ende kommt in den Blick: Wie der Vogel über dem Meer weit vorn schon das sichere Ufer sieht, so erblickt der Christ das neue Leben bereits im Hier und Jetzt.  Jesus Christus sagt (Joh. 5,24):

Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat,

der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht,

sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.

Vereinzelt fliegende Zugvögel sind meistens Nachzügler. Sie stehen in der Gefahr, die Richtung oder die Kräfte für die lange Reise zu verlieren. Der Christ, der auf die Gemeinschaft mit anderen verzichtet, steht auch in dieser Gefahr. Darum, liebe Christen: Behalten wir die Perspektive des Glaubens und achten wir die Gemeinschaft mit anderen Christen nicht gering, sondern holen uns von dorther die Kraft für unser Leben!

Herzliche Grüße - auch von Pfr. Adam - Ihr Pfr. J.-U. Schiller